Was die Exorzisten betrifft, so werden sie mit demselben Namen (63) bezeichnet wie die Wahrsager.

Demnach scheinen die Wahrsager auch den Exorzismus ausgeübt zu haben; immerhin muss man wohl annehmen, dass zwischen diesen beiden ein gewisser Unterschied bestanden habe, denn während immer nur von männlichen Wahrsagern die Rede ist, werden Exorzismus und Geisterbeschwörungen sowohl von Männern wie von Weibern ausgeübt. — Schon im Altertum bestand der auch heute noch in China allgemein verbreitete Aberglaube, dass der Tod und alles, was mit dem Tode in Zusammenhang steht, einen verunreinigenden oder unheilvollen Einfluss auf die Lebenden ausübt, gegen den man sich nach Kräften zu schützen suchte. Daher lesen wir im Li-ki, dass der Kaiser, oder ein regierender Fürst, wenn er sich an einem Leichenbegängnis beteiligte oder einen Kondolenzbesuch machte, von zwei Exorzisten begleitet sein musste, von denen der eine ein Stück Pfirsichholz, der andere einen Schilfbesen trug. Ein Kommentator des 2. Jahrhunderts bemerkt zu dieser Stelle, dass der Pfirsichbaum von den Dämonen gefürchtet sei und der Schilfbesen dazu diene, unheilbringende Einflüsse wegzukehren. Auch dieser Aberglaube besteht heute noch in manchen Gegenden Chinas.
Exorzisten wurden auch bei Seuchen und epidemischen Krankheiten verwendet, besonders häufig aber, um nach anhaltender Hitze und Dürre durch Beschwörungen und wilde Tänze Regen herbeizurufen. Sie zeigen manche verwandte Züge mit den Medizinmännern der nordamerikanischen Indianer einerseits und den Schamanen der tungusischen und türkischen Stämme Sibiriens andererseits. Der Exorzismus ist in der Tat ein schamanistisches Element in der altchinesischen Religion — aber auch das einzige.